Unser gemeinsames nachhaltiges Dinner – im Gespräch mit Patrick und Thore

Im Juni fand unser erstes nachhaltiges Dinner statt. Das Event war eine spannende Herausforderung: Die Location war uns unbekannt, und wir arbeiteten zum ersten Mal zusammen. Umso erfreulicher, dass der Abend ein voller Erfolg wurde: Wir kamen als Fremde und gingen als Freunde. Ein Abend gemeinsames Kochen schweißt eben zusammen.

Wie habt ihr den Abend empfunden und was hat euch am meisten Spaß gemacht?

Thore: Es war toll, unterschiedliche Menschen an einen Tisch zu bringen. Besonders schön fand ich, dass unsere Gäste immer wieder neugierig in die Küche geschaut haben. 

Patrick: Ich versuche immer, meine Begeisterung für Nachhaltigkeit und Wein zu teilen, ohne dabei Wein als etwas Kompliziertes oder Elitäres darzustellen. Erst mal muss es schmecken. Und das war das Feedback: Der Wein schmeckt.

 

 

Und was hat euch gestresst?

Patrick: Der erste Moment, wenn die Gäste ins Glas riechen und ich ihr Gesicht sehe, da ist Anspannung.

Thore: Die magische halbe Stunde, bevor der Service anfängt, aber das ist normal und gehört dazu.

Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt euch beide auf unterschiedliche Weise. Thore du kochst gern mit Lebensmitteln, die eigentlich für den Müll vorgesehen sind. Wie und wo beschaffst du deine Produkte?

Thore: Wir leben sehr gut in Deutschland, verlieren manchmal den Blick fürs Wesentliche und haben eine sehr hohe Erwartungshaltung. Auch beim Essen und der Verfügbarkeit von Lebensmitteln. In Berlin kaufe ich meine Zutaten bei „SirPlus“ einem jungen Social-Impact-Start-up. Die Betreiber nehmen Lebensmittel von Großhändlern oder Produzenten kurz vor dem Ablaufdatum ab und verkaufen diese. Ich bin Kunde der ersten Stunde. Außerhalb von Berlin spreche ich gezielt inhabergeführte Bioläden an, glücklicherweise mögen viele mein Konzept und unterstützen mich hier mit Ware, die unverkäuflich ist. Das rührt mich immer wieder.

 Patrick, du hast uns erzählt, dass du im Rahmen deines Studiums „containert“ hast. Was waren deine Erfahrungen dabei und warum hast du das gemacht?

Patrick: Ich habe Geographie studiert, und wir waren auf Exkursion bei den städtischen Müllwerken. Da erfuhren wir, wie viele Nahrungsmittel weggeworfen werden. Wir haben darüber eine Hausarbeit geschrieben und uns die Frage gestellt: Warum ist es eigentlich verboten, weggeworfene Lebensmittel aus den Mülleimern der Supermärkte zu holen, das sogenannte containern. Wir haben das auch empirisch überprüft, also selbst containert, und wollten sehen, was wir finden und ob es Probleme gibt. Schokolade, Bananen, Gurken, Schokoriegel, wir haben in wenigen Tagen alle möglichen Lebensmittel gefunden, die in einwandfreiem Zustand waren. Und wir hatten nie Probleme mit Anwohnern oder Security. Irgendwie hat sich ein Freundeskreis gebildet, der regelmäßig containern ging.

Thore, worauf hast du bei unserem Dinner geachtet, dass es wirklich nachhaltig war?

Thore: Natürlich wäre es einfacher gewesen, zum Großmarkt zu fahren und alle Zutaten zu kaufen. Die sind aber oft weit gereist und viel verpackt. Das wollte ich vermeiden und habe im Vorfeld mit kleinen Händlern vereinbart, regionale und saisonale Zutaten für unser Dinner zu besorgen. Hülsenfrüchte und andere Trockenware habe ich in Unverpacktläden gekauft und den Transport der Zutaten mit meinem Fahrrad absolviert oder einen Fahrradkurier beauftragt. Reste vom Dinner konnten sich die Gäste in mitgebrachten Gefäßen mit nach Hause nehmen. Somit wurde nichts verschwendet.

 

 

Wenn ich von nachhaltigem Essen spreche, dann verstehe ich auch darunter, dass wir die Menge tierischer Zutaten reduzieren. Deshalb verzichte ich bei meinen Kochevents komplett darauf.

Patrick, dein Weinauswahl war vielfältig und spannend. Worauf hast du bei der Auswahl der Weine Wert gelegt?

Patrick: Alle Winzer arbeiten nachhaltig im Weinberg, das heißt, sie verzichten zum Beispiel auf Pestizide und Herbizide. Sie spritzen nicht einfach Chemie in den Weinberg. Das heißt aber auch, sie müssen mehr Arbeit in den Weinberg stecken. Sie sind biologisch oder biodynamisch zertifiziert.

Außerdem hatten wir noch einige Naturweine dabei, das heißt, dass in der Weinbereitung auf alle zusätzlichen Mittel verzichtet wurde. In der Regel werden oft Hefen, Enzyme oder Schwefel zum Stabilisieren verwendet. Das ist nicht per se schlecht, aber bei Naturweinen wird darauf verzichtet.

Was macht den biodynamischen Anbau aus?

Patrick: Die Biodynamie wird von den anthroposophischen Ideen Rudolf Steiners getragen, einer spirituellen Weltanschauung. Viele denken da an Esoterik. Tatsächlich geht es aber darum, in Respekt und im Einklang mit der Natur den Weinberg zu bearbeiten. Es ist sowas wie die Königsdisziplin im nachhaltigen Weinbau. Der Winzer lässt zum Beispiel andere Pflanzen im Weinberg wachsen, das fördert die Biodiversität und lockt Nützlinge an, die wiederum bekämpfen Schädlinge. Er baut mit Kompost Humus auf, statt Kunstdünger zu benutzen. Und er macht noch vieles mehr.

Übrigens steigt die Zahl der biologisch und biodynamisch arbeitenden Winzer leicht an. Aber es bedeutet eben wahnsinnig viel Arbeit für den Winzer. Und dafür braucht er Kunden, die gewillt sind, diese Mehrarbeit zu bezahlen.

Eure beruflichen Wege sind sehr interessant: Thore, deine berufliche Laufbahn begann in der Bank. Was war der Auslöser, diesen zu verlassen und neue Bahnen einzuschlagen?

Thore: Nach fast 20 Jahren habe ich den "Ruf des Geldes” nicht mehr gehört, sondern bin meinem Herzen gefolgt. Glücklich macht es mich, Dinge mit meinen Händen zu erschaffen, und das kann ich kreativ beim Kochen ausleben. Darüber hinaus umgebe ich mich gern mit Menschen, und das gemeinsame Kochen ist das, woraus ich meine Energie ziehe. Ich bringe Menschen zusammen, an den Kochtopf  und an den Esstisch, dabei inspiriere ich sie, Neues auszuprobieren, und teile meine Ideen für mehr Nachhaltigkeit im Alltag. So verbringen wir wieder gemeinsam mehr Zeit miteinander.

Patrick, du hast für bekannte Magazine geschrieben und bist seit vergangenem Jahr beim Magazin DER FEINSCHMECKER im Ressort Küche und Wein tätig. Wie bist du zu diesem Themenbereich gekommen?

Patrick: Im Grunde ist Ernährung, Essen und Trinken, ein Thema, das uns alle verbindet. Alle Menschen essen, alle Menschen trinken. Wie wir uns ernähren wollen, hängt mit Fragen von Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Klimawandel zusammen. So ist das auch beim Wein. Wollen wir den günstigsten Wein aus Ländern, wo auf dem Feld vielleicht Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung ausgebeutet und die Felder mit Chemikalien vollgespritzt werden, oder wollen wir nachhaltige Landwirtschaft und nachhaltigen Weinbau? Diese Themen haben mich immer interessiert, und beim FEINSCHMECKER kann ich mich ihnen ausführlich widmen.

Eine abschließende Frage an euch beide. Der Abend war wirklich schön, und wir planen ein Anschluss-Event. Wie würdet ihr einem Freund beschreiben, was den Abend ausmacht, sodass er sich das nächste Mal dafür anmeldet?

Patrick: Es gibt spannende Weine, fantastisches Essen und zwei Typen, die mit Leidenschaft und Enthusiasmus für alle Fragen zur Verfügung stehen. Man kommt, sitzt, isst, trinkt und ist glücklich.

Thore: Lust auf ’nen Supper-Club – kreatives Essen mit besonderen Weinen in entspannter Atmosphäre? Dabei triffst du noch interessante Leute und genießt einen kurzweiligen Abend. Diesmal koche ich, aber du darfst auch gern mal mitkochen – privat daheim oder als Firmenevent mit deinen Kollegen.

 

 

Vielen Dank an euch beide und schön, dass wir euch kennenlernen durften. Wir freuen uns schon sehr auf die Fortsetzung.

Victoria vom CHEF.ONE-Team

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